2010 - 10 JAHRE RSN - EIN RÜCKBLICK

 

Ich hatte im Vorfeld für diesen Beitrag den Titel „Chronik der RiesenSchnauzerNothilfe von 2010 bis 2020“ gewählt, aber dann gemerkt, dass 10 Jahre  etwas sehr kurz sind. So beschränke ich mich auf einen gerafften Rückblick und werde mit den weiteren Beiträgen spezielle Themen gesondert aufgreifen.

 

Am 3. Januar 2010 waren es 12 Schnauzerfreunde, die ihr gemeinsames Interesse, Schnauzern in Not zu helfen, mit der Gründung der RiesenSchnauzerNothilfe e.V. (RSN) in die Tat umgesetzt haben. Von diesen Personen der ersten Stunde sind aktuell noch 4 Leute im Verein aktiv. Alles in allem haben in den vergangenen 10 Jahren 24 Personen bei der RiesenSchnauzerNothilfe mitgewirkt und ihre Arbeit und ihr Engagement in den Dienst der guten Sache gestellt. Alle diese Mitstreiter haben dazu beigetragen, dass die RSN zu dem geworden ist, was sie heute ist.

 

In den ersten vier Jahren war die Zusammensetzung des Teams relativ stabil, dann folgten drei Jahre mit häufigen Personalwechseln und aktuell sind wir wieder auf dem Level der Anfangszeit. Veränderungen gehören zu einer Vereinsarbeit unweigerlich dazu, denn es arbeiten immer Leute zusammen, die zwar ein gemeinsames Ziel haben, sich aber über die Art, wie das Ziel erreicht werden soll, oft nicht einig werden können. Dann muss es einen Schnitt geben, bis jeder sein Plätzchen mit Gleichgesinnten gefunden hat. Aktuell besteht das Team der RiesenSchnauzerNothilfe aus 11 Personen, die im Vorstandsbereich administrative Aufgaben wahrnehmen und im Vermittlungsbereich für alles zuständig sind, was mit der Arbeit für die Hunde zu tun hat.

 

Wir hatten uns bei der Vereinsgründung einige Ziele gesetzt und es ist interessant darüber nachzudenken, inwieweit wir diese Ziele erfüllen konnten, wo wir Abstriche machen mussten oder wo eine Kurskorrektur notwendig wurde. Unser Anliegen war es, in Not geratenen Schnauzern aller Rassen und ihren Mixen zu helfen. Unsere Hilfe sollte entweder einen Verbleib des Hundes in der Familie ermöglichen oder die Umsetzung (Vermittlung) des Hundes in eine neue Familie zum Ziel haben. Im Falle einer Vermittlung wollten wir keine Direktvermittlungen anstreben, sondern mit Pflegefamilien arbeiten und die Hunde dann von dort in eine Endstelle bringen. Von Anfang an war geplant, dass wir uns auch um Schnauzer aus dem nicht deutschsprachigen Ausland kümmern, da wir uns als rassespezifischen Tierschutzverein sahen, für den politische Grenzen nicht relevant sein sollten. Wir wollten bei der Vermittlung unserer Schnauzer nach dem allgemein verbreiteten Ablauf mit Bewerbung, Platzkontrolle, Besuchen bei dem Hund, Nachkontrolle und vertraglicher Sicherheit vorgehen und somit das Risiko von Rückläufern weitgehend minimieren.

 

Im Großen und Ganzen verfolgen wir auch heute noch die gesteckten Ziele und arbeiten nach den Vorgaben von 2010. Wir mussten allerdings lernen, dass die Idee mit den Pflegefamilien zwar eine gute war, es in der Praxis aber oft am Vorhandensein geeigneter Familien scheiterte. Trotz vieler Aktionen konnten wir die Anzahl der Pflegestellen nicht entscheidend erhöhen, denn vielfach verblieb der Hund in der Pflegefamilie und neue Pflegestellen mussten dann erst einmal diese Lücken füllen. So hat sich im Laufe der Jahre eine zweite Vermittlungsform herausgebildet, bei der wir Hunde direkt zu den Bewerbern umsetzen, diese aber erst einmal für mindestens vier Wochen als Pflegefamilie agieren. Dann hat die Familie die Option, den Hund zu übernehmen.

 

Was den Auslandstierschutz betrifft, gelten unsere Vorgaben immer noch. Allerdings haben wir gelernt, bei Hundeaufnahmen genauer hinzuschauen und abzuwägen, ob wir für den betroffenen Hund wirklich mehr bieten können, als er an seinem angestammten Platz geboten bekommt. Wir haben auch einsehen müssen, dass man nicht allen Hunden helfen kann und dass es immer ein Abwägen ist, die Möglichkeiten für alle Beteiligten so sinnvoll wie möglich zu nutzen. Die Zahl der Länder, aus denen wir Hunde übernehmen,  haben wir drastisch reduziert und sind im Moment nur noch in Ungarn, der Slowakei, Polen und Russland tätig. Wir arbeiten dort mit einheimischen Schnauzer-Hilfsorganisationen bzw. Tierheimen zusammen, was den Vorteil hat, einigermaßen gesicherte Auskünfte über die Hunde zu bekommen. In den Ländern, in denen die Krankheit Leishmaniose vorkommt, sind wir nicht mehr tätig, da die Leishmaniose-Tests keine klaren Aussagen erbringen und die Inkubationszeit bis zu sieben Jahre betragen kann. Leider mussten wir bei einigen wenigen Hunden (die bereits vor Jahren vermittelt wurden) mitbekommen, wie diese trotz negativer Testergebnisse elendig verstorben sind.

 

Unsere Vorgaben für den Vermittlungsablauf halten wir weiterhin ein und mussten lediglich erkennen, dass wir dem Wert einer sinnvollen Nachbetreuung der Hunde in ihren neuen Familien eine zu geringe Bedeutung beigemessen hatten. Mittlerweile sind zwei Leute im Team nur für die Nachbetreuung zuständig und die Resonanz darauf ist sehr positiv.

 

Leider hat es sich als sehr schwierig erwiesen, Menschen, die einen Hund aus Verhaltensgründen abgeben wollen, dahingehend zu beraten, dem Hund eine Chance zu geben. Nur wenige haben ihr eigenes Verhalten dem Hund gegenüber hinterfragt und wollten etwas verändern. Wenn der Hund weg sollte, dann sollte er weg – und das ohne Wenn und Aber und am besten gestern schon. In dieser Richtung würden wir gerne mehr tun, aber es ist bisher leider beim Wollen geblieben.

 

Ich habe bewusst bei diesem Rückblick keine Zahlen in den Mittelpunkt gestellt, denn wie viele Hunde wir vermitteln können, hängt immer von vielen Dingen ab, die wir nicht beeinflussen können (Anzahl der gemeldeten Hunde, Anzahl der Bewerber, Kapazitäten im Team etc.). Für uns ist es wichtig, für die Schnauzer ein gutes neues Zuhause zu finden und schon im Vorfeld alles dafür zu tun, dass der neue Platz auch ein endgültiger bleiben wird. Wer es trotzdem unbedingt wissen möchte, dem sei gesagt, dass wir in den vergangenen 10 Jahren 609 Schnauzer und ihre Mixe vermittelt haben.

 

Siegfried Biehler, RSN