Die Geschichte von Riesenschnauzer "Wächter"

In Deutschland leben über fünf Millionen Hunde. Die meisten dieser Hunde sind ein geliebtes Familienmitglied, sie leben gemeinsam mit ihren Menschen, sind Teil des Alltags, Begleiter durch dick und dünn. Kinder wachsen mit ihnen auf, sie lernen durch den Hund einen verantwortungsvollen Umgang mit anderen Lebewesen kennen und haben jemanden, dem sie Geheimnisse anvertrauen können, an den sie sich anlehnen können. Sicherlich ist die heutige Beziehung zum Hund manchmal übertrieben und stark vermenschlichend, aber sie ist geprägt davon, dass Hunde Lebewesen sind wie wir – und keine Sache, auch wenn sie dem Gesetz nach als solche behandelt werden.

Doch nicht alle Hunde haben das Glück, Teil eines Rudels, einer Familie sein zu dürfen. Vielleicht erinnern Sie sich an unseren Fall Hora: Die damals 11-jährige Riesenschnauzer-Hündin Hora lebte abgeschottet in einem Carport, weil ihre Besitzerin mit der Haltung irgendwann überfordert war. Eine Nachbarin und engagierte Tierfreundin machte uns auf Hora aufmerksam und konnte erwirken, dass Hora zur RiesenSchnauzerNothilfe umziehen durfte. Auch in unserem aktuellen Fall ist es einer aufmerksamen Tierfreundin zu verdanken, dass ein junger Riesenschnauzer aus schlechter Haltung gerettet werden konnte.

 

Der 8 Monate alte Riesenschnauzer Wächter wurde als Alarmanlage gehalten - ohne weitere Sozialkontakte.

 

Eine Familie in ihrer Nachbarschaft legte sich vor einem halben Jahr einen Hund zu. Dieser sollte nur einen bestimmten Zweck erfüllen, nämlich das Grundstück bewachen. Aus diesem Grund wurde der kleine Welpe „Wächter“ genannt und lebte von Beginn an und trotz kalter Wintertage draußen. Waren Menschen anwesend, wurde er an die Kette gelegt, das Futter wurde ihm aus dem Fenster zugeworfen, menschlichen Kontakt gab es kaum, Kontakt zu Artgenossen überhaupt nicht. Bald begann Wächter in der Nacht zu bellen, so dass es Beschwerden der unmittelbaren Nachbarn gab – mit dem Erfolg, dass Wächter nun des öfteren in die Garage gesperrt wurde. An sehr warmen Tagen mussten Nachbarn dem Hund Wasser bringen, weil die Familie selbst sich nicht kümmerte. Die Nachbarn und auch unsere Kontaktperson sprachen die Familie immer wieder auf die desolaten Haltungsbedingungen an, riefen bei der Stadt an, schrieben Briefe an das Veterinäramt. Steter Tropfen höhlt den Stein: Die Haltungsbedingungen änderten sich zwar nicht, aber irgendwann war die Familie bereit, sich von ihrer lebenden Alarmanlage zu trennen. Sie übergaben den Hund an unsere Kontaktperson. Diese informierte uns und nahm den Hund vorübergehend bei sich auf – bis Wächter mithilfe einer Fahrkette auf seine Pflegestelle umziehen durfte.

 

Der junge Riese lässt alles geduldig über sich ergehen und genießt die Aufmerksamkeit

 

Wächter kam in einem relativ schlechten Pflegezustand bei uns an: zottelig, dreckig und voller Zecken. Ganze 29 kleine Untermieter zog der Pflegepapa in einer ersten Untersuchung aus ihm heraus. Die anschließende Scheraktion ließ Wächter ruhig über sich ergehen und wälzte sich anschließend erleichtert im Sand. Der junge Riesenschnauzer ist ein wirklich lieber und verschmuster Jungspund, der die Aufmerksamkeit, die ihm nun zuteil wird, gerne annimmt. Man merkt, dass er in der Vergangenheit wohl vor allem mit Essensresten gefüttert wurde. Er frisst vor allem Brot und Brötchen, bei Trockenfutter mäkelt er. Doch was die anderen Hunde des Rudels so gierig in sich hineinschlingen, kann ja gar nicht so schlecht sein und ab und an folgt er bereits ihrem Beispiel.

 

Löwenmähne - die Scherköpfe haben schlapp gemacht!

Kontaktaufnahme mit dem Rest des Rudels - ups, wer bist denn du?

 

Für Wächter ist die Geschichte gut ausgegangen. Er lernt jetzt, wie schön es sich anfühlt, Teil eines Rudels zu sein, und wir werden für ihn eine endgültige Familie finden, die dem Teddy sicher einen schöneren Namen geben wird! :-) Für alle anderen Hunde und Tiere, die unter ähnlich unwürdigen Umständen gehalten werden, hoffen wir, dass es genauso engagierte Menschen wie in diesem Fall gibt, Menschen, die nicht wegschauen und die sich für diese Tiere einsetzen.